San Luis Potosi | Xilitla

Im nördlichen Zentralmexiko liegt der grüne Staat San Luis Potosí. Ich wollte ihn unbedingt erkunden und begab mich auf eine abenteuerliche Reise. Wie abenteuerlich dieser Ausflug für mich werden sollte - das wusste ich da noch nicht! Auf jeden Fall sind die Huasteca Potosina einen Ausflug wert. Unglaubliche Natur, mächtige Wasserfälle, spannende Aktivitäten und der in Xilitla gelegene surreale Garten von Edward James! Wer eine Reise nach Mexico plant, sollte sich diesen Zauber nicht entgehen lassen! 

Ein Wochenende voller Abenteuer

Mit einer abenteuerlustigen, jungen Reisegruppe ging es für mich drei Tage lang in den Bundesstaat San Luis Potosí. Genauer gesagt in die Region "Huasteca Potosina", einer Teilregion von San Luis Potosí - voll mit wunderschönen natürlichen Sehenswürdigkeiten wie Wasserfällen, Schluchten, tiefen Höhlen, glasklaren Seen, satten, grünen Regenwäldern im Nebel und atemberaubender Landschaft! 

 

Das "Hotel" im Dörfchen Tamasopo war erstmal ein kleiner Schock - wir wurden von zahlreichen Hunden begrüßt, die allem Anschein nach das Management der Herberge übernommen hatten. Das Untergeschoss war immerhin fertiggestellt, oben war noch Rohbau. Die Viererzimmer waren eher ein kleiner Raum mit zwei Betten, die man sich zu viert teilen musste. Es gab einigermaßen fließendes Wasser, sogar WLAN war vorhanden. Das Toilettenpapier klauten wir uns fachgerecht im Nebengebäude des "Hotels". 

Aber es stellte sich heraus, dass ich trotzdem wunderbar schlafen konnte! Die Mexikanerin in "unserem" Bett war zum Glück so winzig, dass wir uns in der Nacht nicht begegneten. 

Außerdem war die Luft um einiges sauberer als in México-City. 

Welcome to my place, Hooman!
Welcome to my place, Hooman!

Puente de Díos

Unser nächster Halt waren die natürlichen Pools "Puente de Díos", ebenfalls in der Nähe von Tamasopo. Wir waren an einem langen Wochenende hier, viele Mexikaner hatten die gleiche Idee! Ich denke, es ist also kein Geheimtipp mehr... Landschaftlich sehr interessant, denn man muss erst einige Treppen nach unten steigen, um zu einem herrlich blauen Naturpool zu kommen. Wenn man weiter klettert, kommt man zu einem steinigen Fluss mit glasklarem Wasser und umgeben von einem satten Regenwald. Wirklich hübsch. 

 

In dem blauen Pool waren mir zu viele Leute mit Schwimmwesten - es waren hunderte! Ich musste unwillkürlich an "Titanic" denken. Viele klammerten sich verzweifelt an ein Seil im Wasser während andere den rutschigen Weg zum Pool herunterstolperten. Auch die Temperaturen waren nicht wesentlich höher als in jener verhängnisvollen Nacht im April 1912. Ich beobachtete das Szenario von oben und beschloss mich weiter weg ans Wasser zu setzen um in Ruhe meine Nüsse zu essen.

Cascadas de Tamasopo

Die Wasserfälle von Tamasopo sind ebenfalls eine Ansammlung von natürlichen Pools. Sehr schön, dass muss ich sagen. Auch wieder sehr gut besucht und dementsprechend voll. Allerdings ist das Areal ziemlich groß und die Menschenmenge verläuft sich ein wenig. 

Ehrlich, die Bilder zeigen es nicht, aber es waren nur ca. 13° und ich würde bei der Temperatur weder in Deutschland noch in México noch irgendwo anders auf der Welt ins Wasser gehen. Egal wie famos die Sehenswürdigkeit ist. 

Aber trotz der Kältefront hatten wir unseren Spaß und genossen die tolle Natur und die spektakulären Wasserformationen! 

Sótano de los Golondrinas

Echt, also diesen Abschnitt könnte ich mir direkt eigentlich sparen - wenn es nicht trotzdem sehenswert wäre. An anderen Tagen bestimmt noch mehr. 

Es begann gegen 2 Uhr, wir mussten alle aufstehen, denn wir wollten so früh wie möglich an Méxicos zweitgrößter Schwalbenhöhle sein, mitten im Regenwald ca. 15km westlich von Aquismón.

 

Mit dem Bus fuhren wir also durch die Nacht und erreichten die Sótano de los Golondrinas um ca. 6 Uhr. Es war noch stockfinster als wir mit unserem Guide den Abstieg zu der Höhle wagten. Die erste Ebene ist 333 Meter tief und die zweite Ebene 512 Meter. Sehr eindrucksvoll. Eigentlich. Dort leben Millionen von Schwalben und Grünsittichen. Um eine bestimmte Uhrzeit fliegen die Schwalben ALLE heraus. Eigentlich. Wir saßen also von 6 Uhr in der früh bis um halb 10 dort in der Kälte, auf einem Felsvorsprung und es kamen immer mehr Menschen. Gleich können wir persönlich in 512 Metern Tiefe den Schwalben "Hallo" sagen, dachte ich. 

 

Nach fast 4 Stunden flogen nur ein paar hübsche Grünsittiche aus dem Loch. Die Schwalben hörten wir alle. Nur sie kamen nicht. "Achso", sagte der Guide: "An einigen sehr kalten Tagen kommt es vor, dass die Schwalben nicht fliegen". Aber das sei sehr, sehr unwahrscheinlich. Aha. 

Das Unwahrscheinliche war soeben eingetreten. 

 

Wir traten unseren Rückweg an und sammelten zusammen Müll auf dem Weg nach oben. Einen ganzen Sack bekamen wir voll. Wenigstens. 

Später muhte eine Kuh mir von ihrer grünen Weide zu. Ich ging zu ihr und wir unterhielten uns eine Weile. Wir beide hatten keine Ahnung, warum die Schwalben ausgerechnet heute nicht fliegen wollten - und wurden Freunde. 

Unsere Namen haben wir uns nicht verraten... Aus Fremden wurden Freunde!
Unsere Namen haben wir uns nicht verraten... Aus Fremden wurden Freunde!

Cascada de Tamul

Wasser gibt es hier definitiv genug - ein weiterer Stopp unserer Reise war der große Wasserfall von Tamul. 

Dann der Schock: In Holzbooten mussten wir selbstständig hinrudern!! Jeder für sich ruderte wild umher und unser Bootsmann-Guide schüttelte notorisch mit dem Kopf...

Selbst ich merkte schnell, dass es so nichts wird. Schließlich war ich während meiner Hamburg-Zeit oft mit dem Boot auf der Alster unterwegs gewesen und auch Drachenboot-Erfahrungen im Team konnte ich dort sammeln.

 

Dieser hervorragende Lebenslauf brachte mir mit meinen zweiundzwanzig höchstmotivierten mexikanischen Ruderexperten aber rein gar nichts... Ich rief immer wieder einen Takt vor, der ca. 1 Minute verfolgt wurde, dann schwanden die Kräfte. Einmal drehten wir uns sogar im Kreis, rammten mehrere Felsen und liefen auf Grund. Spaß hatten wir allemal! 

 

Wenigstens die Umgebung war malerisch! Ein Canyon, so wunderschön wie ihn Winnetou nicht hätte träumen können! 

Aquismón

An einem Tag machten wir einen kleinen Zwischenstopp in dem magischen Dorf Aquismón. Es ist wirklich süß und superklein. Viele der natürlichen Sehenswürdigkeiten liegen hier in der Nähe.

 

Wir hielten zum Essen - seit Freitag bekam ich nichts anderes mehr als Tacos. Tacos zum Frühstück, zum Mittag und zum Abendessen. Mais, Mais, Mais... Ernsthaft? Ok, einmal noch bestellte ich in einem typisch mexikanischem Speiseraum mit vielen kleinen Garküchen und Hunden - Entomatadas - danach weigerte ich mich und verlangte Abends Pizza! (In Tamasopo fanden wir dann sogar Mr.Pizza - mit leckeren selbstgemachten Pizzen).

Hmmm... Entomatadas werden ohne Fleisch zubereitet und sind überhaupt nicht scharf. Mit Ei schmecken sie doch ganz gut.
Hmmm... Entomatadas werden ohne Fleisch zubereitet und sind überhaupt nicht scharf. Mit Ei schmecken sie doch ganz gut.

Ja endlich! Der surreale Garten von Edward James

Eigentlich hatte ich diese Reise nur mitgemacht, weil ich den surrealen Garten von Edward James sehen wollte! Wirklich, schon vor meiner Abreise sah ich Bilder von dem irren Park und wollte dahin! Fast zerplatze dieser Traum aber vor meiner Nase! 

Das irre Schloss von Edward James. Tatsächlich war nur ein Gebäude bewohnbar..
Das irre Schloss von Edward James. Tatsächlich war nur ein Gebäude bewohnbar..

Wir kamen morgens in Xilitla an, gelegen in den waldreichen Bergen der Sierra Madre Oriental und der Ort an dem sich der Künstler und Exzentriker Edward James 1947 seinen Traum von einem surrealen Garten erfüllte. Er liebte Orchideen und fand México romantischer für seinen Traumgarten als die USA; so baute er zwei Jahrzehnte lang mit Einheimischen an dem Projekt und steckte all seine Ersparnisse in diese Betonbauten. Eine Kältefront; ich vermute so eine wie wir sie gerade zu spüren bekamen; zerstörte all seine geliebten Orchideen. Deshalb baute er sie kurzum aus Beton nach. 

Leute - ich hatte mich so sehr auf den Garten gefreut und dafür Zweibettzimmer mit Viererbelegung in einem von Hunden geführten Hostel in Kauf genommen! 

 

Aber heey, egal wie weit ihr euch in den Dschungel vorkämpft: Es gibt immer irgendwie Menschen, die schon da sind!!! Unglaublich... Diese Menschen standen in Form einer 2 Kilometer langen Schlange vor dem surrealen Garten von Edward! Ich sagte noch, unter 2 Stunden Warten ist nicht - aber unser Guide ging fröhlich von 20 Minuten aus. Nach knapp 3 Stunden hielten wir endlich unsere Tickets in der Hand - natürlich pünktlich mit Regenbeginn konnten wir den Park betreten. 

 

Alle Achtung! Edward hatte echt Fantasie, dass muss man ihm lassen. Ich kann mir wahrhaftig vorstellen, wie er hier mit seinem weißen Umhang und dem bunten Papagei auf der Schulter durchspaziert ist. Naja. Der Regen und das lange Warten waren vergessen: wie verzaubert lief ich durch den Garten.

So muss es sich anfühlen, wenn man Pilze geraucht hat! Surreale Betonbauten ragten hoch in den Dschungel, Treppen die ins Nichts führen und Türen die es gar nicht gibt verwirren und verzaubern den Geist. Nebelschwaden und leichte Regentropfen ziehen durch den Himmel. Wahnsinn.

Ich glitschte langsam auf moosbedeckten Pfaden durch den Wald, dachte ich fliege! Wiiiuuu. 

Plötzlich ist da ein Wasserfall - natürlich, aber die Bauten von Edward sehen so aus, als ob sie schon immer dorthin gehört hätten!
Plötzlich ist da ein Wasserfall - natürlich, aber die Bauten von Edward sehen so aus, als ob sie schon immer dorthin gehört hätten!

Von meinem surreal-verrückten Trip holt mich plötzlich das laute Hupen unseres Busses zurück. Ach ja, da war ja was! Menschen... die mich wieder nach México-Stadt bringen wollten. Neeeeeeeeeeeein. 

Nun gut. Der Wochenendtrip war recht anstrengend und kalt, aber die Natur wahnsinnig schön und mein Highlight war natürlich der surreale Garten. Wirklich gelohnt hat es sich. Ich will Mexiko nicht verlassen ohne die ganzen zauberhaften Orte gesehen zu haben! Ein bisschen Zeit habe ich noch - und eine volle To-Do Liste! 

 

Mexiko - du bist verrückt und wunderschön! 

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Kommentare: 2
  • #1

    Jana (Samstag, 13 Juli 2019 10:45)

    Super schön! Ist bestimmt eine tolle Erfahrung gewesen.
    Mexiko steht auch noch ganz oben auf meiner Bucketlist!
    Liebe Grüße

  • #2

    Jana (Samstag, 13 Juli 2019 10:52)

    Super schön! Ist bestimmt eine tolle Erfahrung gewesen.
    Mexiko steht auch noch ganz oben auf meiner Bucketlist!
    Liebe Grüße